Soziale Marktwirtschaft – kurz gesagt

Die soziale Marktwirtschaft gilt seit den 1950er Jahren als beste deutsche Wirtschaftsform. Deutschlands Wirtschaftsordnung ist quasi eine Soziale Marktwirtschaft. Sie wurde kĂŒnstlich aus der vormals freien Marktwirtschaft entwickelt. Damit keine zu großen sozialen Ungerechtigkeiten entstehen, griff der Staat wo nötig in die Freie Marktwirtschaft ein. Die Regierung schrĂ€nkte die freiheitlichen Elemente der Marktwirtschaft da ein, wo sie von der Regierung als unsozial empfunden wurden. Anders ausgedrĂŒckt beschnitt Vater Staat die ökonomische Entwicklung da, wo sie nur den Starken diente und den weniger Starken schadete.

Was ist Soziale Marktwirtschaft?

Bei der Sozialen Marktwirtschaft handelt es sich um ein relativ modernes Wirtschaftssystem. Es machte wirklich erst in den 1950er Jahren die Runde. Vorher gab es das nirgendwo auf der Welt. Wichtig zu wissen: Auch die soziale Marktwirtschaft lebt Ă€hnlich wie die freie Marktwirtschaft vom Wettbewerb. Wir reden also noch nicht von Sozialismus oder gar Kommunismus. Bei sozialer Marktwirtschaft steht der Begriff „sozial“ fĂŒr die Ziele einer gesicherten Freiheit, fĂŒr soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit. So zumindest interpretierte der Erfinder Ludwig Erhard das große Ziel. Soziale Marktwirtschaft sollte seiner Meinung nach „Wohlstand fĂŒr alle“ bringen. Ludwig Erhard und Alfred MĂŒller-Armack entwarfen das dahinterliegende Konzept in den 1940er-Jahren.

Über Ludwig Erhard

Er war als Wirtschaftsminister von 1949 bis 1963 der Hauptverantwortliche fĂŒr den wirtschaftlichen Aufschwung Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Von 1963 bis 1966 war er sogar Bundeskanzler.

Nach dem Ersten Weltkrieg studierte Erhard Wirtschaftswissenschaften und arbeitete danach in einem Forschungsinstitut fĂŒr Wirtschaft. Da er nicht mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wurde, betrauten ihn die alliierten Besatzungstruppen nach dem 2. Weltkrieg mit dem Wiederaufbau der Industrie in Bayern – konkret im Raum NĂŒrnberg-FĂŒrth. Dort war er nacheinander Wirtschaftsreferent in Mittel- und Oberfranken, Wirtschaftsminister fĂŒr Bayern, Direktor des Beratenden Ausschusses fĂŒr Geld und Kredit und schliesslich Direktor des Wirtschaftsrates fĂŒr die gemeinsame britisch-amerikanische Besatzungszone. Ende 1948 hatte dann die WĂ€hrungsreform, die Ludwig Erhard im Sommer zuvor eingeleitet hatte, sowie die Abschaffung von HandelsbeschrĂ€nkungen die angeschlagene deutsche Wirtschaft bereits etwas angekurbelt.

Ab September 1949 wurde Erhard als Wirtschaftsminister der neuen Bundesrepublik Deutschland unter Bundeskanzler Konrad Adenauer beauftragt, seine Politik des Wiederaufbaus fortzusetzen. In den folgenden Jahren wendete er sein Konzept der “sozialen Marktwirtschaft” auf so ziemlich alle Probleme der wirtschaftlichen Erneuerung an und erzielte phĂ€nomenale Ergebnisse, die oft als das deutsche “Wirtschaftswunder” bezeichnet wurden. Sein System basierte auf dem Kapitalismus der freien Marktwirtschaft, garniert mit besonderen Bestimmungen fĂŒr den Wohnungsbau, die Landwirtschaft und Sozialprogramme.

Wirtschaft in Deutschland hat sich verÀndert

Das Funktionieren des freien Marktes wurde durch die “Soziale Marktwirtschaft” nicht verhindert, wohl aber stark verĂ€ndert. Mit einem riesigen “Sicherheitsnetz” von Leistungen wird nun in die nun unfreie Marktwirtschaft eingegriffen. Die Eingriffe sind laut offiziellen Angaben fĂŒr Gesundheitsschutz, Arbeitslosengeld, Mutterschaftsurlaub, Kinderbetreuung, staatlich subventionierten Umschulungsmöglichkeiten, Renten und vieles andere mehr. Deutschland hat eine sozial orientierte Wirtschaftsordnung entwickelt, die von den meisten BĂŒrgern und Unternehmen prinzipiell unterstĂŒtzt wird. Aber leider ist Erhards Modell von sozialer Marktwirtschaft langfristig nicht finanzierbar. Was unter Adenauer und Erhard noch funktionierte, funktioniert heute schon lange nicht mehr. 

Diese vielen Sozialleistungen werden nĂ€mlich durch viel zu hohe Steuern von der arbeitenden Bevölkerung finanziert. Und wie wir alle wissen wird der Anteil der arbeitenden Bevölkerung immer geringer. 

Soziale Marktwirtschaft
Das MĂ€rchen vom Generationenvertrag

Und weil Steuern allein nicht reichen, bedient sich auch an der Rente ehemaliger Arbeitnehmer. Der ganze Renten-Betrug begann bereits 1957 und hĂ€lt bis heute an. Zwölf Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges befanden sich damals endlich wieder ein paar Reserven in Höhe von 40 Milliarden D-Mark in den Kassen der Gesetzlichen Rentenversicherung. Kanzler Adenauer entwendete diesen Betrag aber unrechtmĂ€ĂŸig. Er zweckentfremdete das Geld der Rentner fĂŒr die AufrĂŒstung der neu gegrĂŒndeten Bundeswehr. Das den Rentenversicherten gehörende Kapital wurde seitdem nicht zurĂŒckgezahlt. Zur gleichen Zeit fĂŒhrte Adenauer ein dubioses Umlage-Verfahren ein. Er schaffte die seit GrĂŒndung der Rentenversicherung im deutschen Kaiserreich bestehende Kapitaldeckung der Renten einfach ab und ersetzte sie mit dem Begriff “Generationenvertrag”. Die Abteilung “GehirnwĂ€sche” lĂ€sst grĂŒĂŸen 


Adenauers StaatssekretĂ€r Schreiber muss einmal zu ihm gesagt haben: “Herr Bundeskanzler, sie können keine Rentenpolitik gegen die Mathematik betreiben!” Adenauers Antwort war wohl in etwa diese: “MĂŒssen Sie die Wahlen gewinnen oder ich? Kinder kriegen die Leute sowieso!” Er meinte damit die Kinder, welche als Erwachsene mit ihren RentenbeitrĂ€gen fĂŒr die Renten ihrer Eltern herhalten mĂŒssen. 

Der entscheidende Punkt ist: Es gab da mal eine Zeit mit real existierendem Rentenkapital. Renten waren vorfinanziert. Das Rentengeld war da und wartete nur auf seine Auszahlung. Lang lang ist’s her.

Eins muss man dem Adenauer lassen. Er war schlau, denn er pokerte damals nicht einmal sehr hoch. Er wusste, dass die Bevölkerung in Deutschland wachsen wĂŒrde. Somit ging seine Rechnung auf. StĂ€ndig wachsende Bevölkerungszahlen ermöglichten zumindest bis in die 1990er Jahre eine soziale Marktwirtschaft auf Pump. 

Um die wirklichen Ursachen fĂŒr seine verantwortungslose Rentenpolitik zu vertuschen, erfand Adenauer den sogenannten “demografischen Faktor”. Sehr treffend bezeichnete der Politiker Rudolf Dressler diesen Phantasie-Faktor spĂ€ter als ein “pseudowissenschaftliches Alibi fĂŒr geplante RentenkĂŒrzungen”.

Wenn eine ganz normale Versicherungsanstalt so mit den eingezahlten Geldern ihrer Versicherten umgehen wĂŒrde, wĂ€ren die Verantwortlichen schon lĂ€ngst hinter Gittern. 

Lange Rede kurzer Sinn. Zur Finanzierung der ökonomisch nicht vertretbaren sozialen Marktwirtschaft ist dem Staat jedes Mittel recht. Verschuldung, Abwertung des Euros, Betrug bei der Rente, Steuern auf so ziemlich alles – sei es auf Ihren Hund, Ihre Zigaretten, Ihr Auto, auf die Lebensmittel die Sie einkaufen, auf Ihren Lohn, Ihre KapitalertrĂ€ge und so weiter und so fort. Es ist nicht einfach in Zeiten wie diesen Vermögen aufzubauen. Aber es ist nicht unmöglich. 

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Über Andre Schwermer

Andre Schwermer ist Mitarbeiter der FinanzNewsKOMPAKT-Redaktion. Er arbeitet hauptberuflich als Wirtschaftsjournalist, u.a. auch fĂŒr verschiedene Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland, wie den SĂŒdkurier Konstanz, Volksfreund Trier und SaarbrĂŒcker Zeitung.

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