Fiatgeld – kurz gesagt

Schonmal was von “Fiatgeld” gehört? Nein? Dann wird es aber Zeit! Denn Sie werden gleich merken, dass Sie einerseits eine ganze Menge davon besitzen und andererseits, dass es im Prinzip nichts wert ist. 

Fiat … Der Begriff ist abgeleitet vom biblischen „Fiat lux!“ – zu Deutsch: „Es werde Licht aus dem Nichts!“ Fiatgeld bezeichnet im wahrsten Sinne des Wortes die Herstellung von Geld aus dem Nichts. Und das klingt schonmal garnicht gut. Denn das einzige, was Fiatgeld funktionieren lässt, ist der pure Glaube, das dieses Geld auch was wert ist. Verlieren Käufer und Verkäufer den Glauben daran, ist Fiatgeld nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde.

Klingt irgendwie ein bißchen wie Monopoly. Wenn Sie zuhause im Kreis Ihrer Familie das Monopoly-Spiel aufbauen, dann glauben auch alle Familienmitglieder – für eine gewisse Zeit – an den Wert des Spielgeldes im bunten Pappkarton. Ziel dieses Monopoly-Spiels ist es, ein Grundstücksimperium aufzubauen und alle anderen Mitspieler in die Insolvenz zu treiben. Und am Ende gewinnt immer die Bank. Ich sehe da so manche Parallele zur Realität …

Aber zurück zum eigentlichen Thema! Meist ist eine staatliche Anordnung die Geburtsstunde für Fiatgeld als Zahlungsmittel. Aber nicht immer! Dazu komme ich gleich noch. Fiatgeld erlangt dann allgemeine Akzeptanz bei Handelspartnern und Bürgern – auch hinsichtlich seines Wertes und seines Wechselkurses mit anderen Werten.

Fiatgeld

Bevor ich nun einige Beispiele für Fiatgeld bringe, bitte ich Sie, sich erst einmal anzuschnallen. Sie werden nämlich sonst vom Stuhl fallen …

Der Euro, der Dollar, das britische Pfund, der japanische Yen … so ziemlich alle heute existierenden Währungen fallen in die Kategorie “Fiatgeld”. Keine dieser Währungen basiert auf irgendeinem real existierenden Sachwert. Und das hat sehr unangenehme Konsequenzen, wie wir alle am Beispiel der aktuell extrem hohen Inflation sehen. 

Aber das war nicht immer so! Geld hatte von circa 1870 bis 1971 eine real existierende Rückendeckung. Wer in dieser Zeit nicht an den Wert von Dollar, Franc, Pfund oder Mark glaubte, konnte sein Geld jederzeit zu einem stabilen Umtauschkurs von 35 US-Dollar je Feinunze in Gold eintauschen. Alle Zentralbanken rechtfertigten bis 1971 die Existenz ihrer nationalen Währung mit realen Gold- und auch Silberreserven – vereinfacht gesagt! Das war nicht immer eine 100-prozentige Volldeckung. Aber das führt jetzt hier zu weit. Ich erkläre nur das generelle Prinzip.

Auch die deutsche Bundesbank deckte bis 1971 die existierenden D-Mark-Scheine und Münzen mit eingelagertem echtem Gold und echtem Silber. Dieses Prinzip des sogenannten “Goldstandards” begann sich weltweit um circa 1870 herum durchzusetzen und wurde ab 1880 in allen Industriestaaten anerkannt. 

1971 war dann aber plötzlich Schluss damit. Der damalige US-Präsident Richard Nixon beendete die Zahlungsfunktion von Gold. Grund: Es waren im Vorfeld seiner Entscheidung zu viele Dollars gedruckt worden, um den Vietnam-Krieg und das Social Welfare Programm in den USA zu finanzieren. Durch diese hinter verschlossenen Türen vollzogene Geldschwemme war nicht mehr genug Gold und Silber in den Tresoren der US-Notenbank vorhanden, um jeden Dollar wie bisher üblich mit Edelmetallen zu decken. Aber statt das zuzugeben und den Dollar abzuwerten, versuchte Nixon den Wert des Dollars zu retten, indem er ihn einfach rotzfrech vom Goldstandard abkoppelte. 

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War dass ein Betrug der USA an den anderen am Goldstandard teilnehmenden Staaten? Ich bin der Meinung, ja – es war lupenreiner Betrug. Sie können das jetzt aber interpretieren wie sie wollen. Ich muss zugeben, dass die Rechnung etwas komplizierter ist. Denn mit wachsenden Bevölkerungszahlen überall auf der Welt war das Zurückdrängen des Goldstandards nur noch eine Frage der Zeit. Soviel Gold und Silber gibt es nämlich garnicht, um jeden weiteren neu gedruckten Geldschein zu decken. 

Welche Alternative bot sich 1971 zu Gold und Silber als Reserve an? Durchaus sinnvoll war der Blick auf wachsende Bevölkerungszahlen und die aus diesem Wachstum heraus fast schon automatisch garantierte steigende Wirtschaftskraft. Beide Faktoren rechtfertigten nach 1971 das Drucken von neuem Geld. Mehr Menschen brauchen mehr Geld. Und sie rechtfertigen das Drucken dieses Geldes mit einem wachsenden Bruttoinlandsprodukt. 

Und genau so ist “Fiatgeld” entstanden. Der im Jahr 2002 eingeführte Euro ist lupenreines Fiatgeld. Von Anfang an erhielt dieses Retorten-Baby seinen Wert aus der Wirtschaftskraft der Europäischen Union. Dollar, Pfund und Yen tun das genauso. Aber diese drei Währungen waren nicht wie der Euro als Fiatgeld geboren. Die hatten bis 1971 noch echte Eltern, nämlich Gold und Silber.

Seitdem tragen wir nun also Fiatgeld in unseren Geldbörsen herum. Geld das aus dem Nichts erschaffen wurde. Statt es mit Gold- und Silberbarren zu decken, erhält es seinen Wert durch eine bestimmte Bevölkerungszahl und dem von dieser Bevölkerung erbrachten Bruttosozialprodukt. Mit einem solchen Kompromiss könnte ich eigentlich ganz gut leben, wenn er denn eingehalten wird. Wird er aber nicht. Denn spätestens seit der Finanzkrise von 2008 wird Geld immer dann gedruckt, wenn die Regierung es braucht – egal ob Bevölkerung und BIP wachsen oder schrumpfen.

Fiatgeld
Folgen Hyperinflation in Deutschland 1923: Bergeweise Fiatgeld.

Aber die Geschichte hat uns gelehrt, dass ungedecktes Geld-drucken über kurz oder lang zu Inflation und Hyperinflation führt. So geschehen 1929 in Deutschland. In den 1920er Jahren führten die Bilanzdefizite im Deutschen Reich zu einem ständigen Abfluss an Gold. Ursache waren die deutschen Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg. Ende 1928 wurde diese Zahlungsschwäche dann irreversibel. Um die vom Krieg geschwächte Ökonomie am Leben zu erhalten, begann die deutsche Regierung, einfach Geld zu drucken. Nur so konnten beispielsweise noch Löhne für streikende Arbeiter im von Frankreich besetzten Ruhrgebiet gezahlt werden. Wir kennen das Ende der Geschichte. Um einen Laib Brot zu kaufen, musste man dann irgendwann eine Milliarde Mark zahlen.  

Lange Rede kurzer Sinn: Der Wert von Fiatgeld ist nicht stabil. Er geht auch schnell mal eben gegen Null – siehe Venezuela oder Zimbabwe oder Argentinien oder Sri Lanka. Denn es gibt kein Korsett mehr, dass Regierungen zwingt, sich an Regeln zu halten. Auch wirtschaftliche Stärke und Bevölkerungswachstum bewegen eine Regierung heutzutage nicht mehr dazu, die Geldmenge entsprechend anzupassen. Fallende Bevölkerungszahlen in den Industriestaaten müssten nämlich theoretisch zu einer Abnahme der Geldmenge führen. Ebenso müsste ein sinkendes BIP die reale Geldmenge reduzieren. Macht es aber nicht. Die Geldmenge in der Eurozone wuchs in den vergangenen zwei Jahren um das 3-fache. Ein Land mit weniger Menschen mit weniger Produktionskraft verfügt also über mehr Geld und erhöht so die Nachfrage die weniger werdenden Konsumgüter. Die Preise steigen inflationär – zuletzt um 8 Prozent. 

Fiatgeld – Fazit

Fiat-Währungssysteme sind vom Standpunkt ökonomischer Nachhaltigkeit prinzipiell falsch. Sie sind auch vom ethischen Standpunkt her verwerflich. Und sie sind de facto alle zum Scheitern verurteilt. Denn Fiat-Währungen beruhen ausschließlich auf der Vorstellung, dass sie einen Wert haben. Fiatgeld bietet also nur eine sehr instabile Möglichkeit, Waren und Dienstleistungen zu auszutauschen. Wir Menschen werden quasi in einen Traumzustand versetzt, aus dem wir irgendwann böse erwachen. 

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Über Daniel Jost

Daniel Jost hatte von frühen Jahren an schon immer ein großes Interesse für die Funktion der Wirtschaft. Zusammen mit seiner Leidenschaft des Schreibens bringt er sich mittlerweile als Wirtschaftsjournalist ein.

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